Frauengeschichtlicher Stadtspaziergang

08.März 2026 | Frauengeschichtlicher Stadtspaziergang durch Ravensburg zum Internationalen Frauentag mit Museumsdirektorin Sabine Mücke

Sonntag, 8. März, 15 Uhr

Der 90-minütige Rundgang mit Museumsdirektorin Sabine Mücke führt zu Orten in der Stadt, an denen Frauen lebten, arbeiteten, verhandelten und politisch aktiv wurden, verurteilt oder diskriminiert wurden. Es geht um frühneuzeitliche Unternehmerinnen, Händlerinnen, Ehe- und Klosterfrauen, ledige und verwitwete Frauen vom späten Mittelalter bis in die jüngere Vergangenheit und um die Frage, wie wandelnde Geschlechterverhältnisse und Rollenbilder ihre Möglichkeiten und Handlungsspielräume bestimmten.

An vielen Orten und Gebäuden in der Stadt überlagern sich unterschiedliche historische Epochen und Ereignisse. Spezifisch weibliche Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten zeigen sich dabei oft konträr zu populären, überlieferten Geschichtsbildern.

Die Tour führt u. a. zum Rathaus, der Stab über wegen Kindsmord oder angeblicher Hexerei Verurteilte gebrochen wurde, wo aber in der Weimarer Republik auch in Ravensburg die ersten Gemeinderätinnen einzogen.

Zwischen Rathaus und Waaghaus befand sich in der frühen Neuzeit die Domäne der Obsthändlerinnen; im Kornhaus erstritten energische Frauen um Agatha Ledergerberin in der Hungerkrise 1771 faire Kornpreise. In der Zeit des Nationalsozialismus spiegelten sich die Grenzen zwischen Ravensburgerinnen, die zur sogenannten „Volksgemeinschaft“ zählten oder dem Regime nahestanden, und den zunehmend ausgegrenzten und entrechteten Frauen auch an den frei betretbaren Räumen der Stadt wider. Entsprechend führt der Rundgang auch an Orte, die heute an Willkür, Unrecht, Vertreibung und Deportation erinnern.

Die Tour endet in der Frauenstraße mit dem politischen und feministischen Aufbruch der zweiten Frauenbewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren.

Kosten: 9 €, ermäßigt 7,50 €